Leben|28. Juli 2022 11:45

Legionellen – gefährliche Bakterien im Leitungswasser

Aufnahme von Legionellen unter dem MikroskopDie Energiekrise bringt eine erhöhte Gefahr durch Legionellen mit sich. Ausgelöst wird das gestiegene Risiko durch die Energiesparmaßnahmen im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine, speziell bei der Warmwasseraufbereitung. Besonders im Sommer werden die Warmwasserleitungen inzwischen gern heruntergefahren, da das Wasser schon ausreichend erwärmt sei.
Die Umwelt und der eigene Geldbeutel profitieren zwar von diesem Spareffekt, aber leider auch die Legionellen, die sich nun ungestört im Trinkwasser vermehren können. Legionellen fühlen sich nämlich bei Temperaturen von 25 bis 40 °C in stehenden Gewässern am wohlsten und werden erst ab 60 °C sicher abgetötet.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind stäbchenförmige, sich bewegende Bakterien mit einer Länge von etwa 6 µm. 57 Arten von ihnen sind derzeit bekannt, wobei mit Abstand die meisten Infektionen auf das Konto der Legionella pneumophila gehen. Ihr Lebensraum sind stehende Gewässer, in denen sie Temperaturen von 25 bis 40 °C bevorzugen. Ein großes Problem ist ihre Ansiedlung in Wasserleitungen, besonders, wenn sich auf diesen ein Biofilm durch Ablagerungen gebildet hat. Rostbefall in Altbauten führt schnell zu solchen ungeliebten Brutplätzen.

Kommt es zu einer Infektion, kann sich diese in einem leichten Krankheitsverlauf durch grippeähnliche Symptome (Pontiac-Fieber) äußern. Bei schweren Verläufen kommt es anschließend zu einer schweren Lungenentzündung (Pneumonie), die lebensbedrohlich sein kann und sofort behandelt werden muss.

Was macht sie so gefährlich?

In Deutschland liegt die jährliche Melderate von Legionellen bei 1,7 von 100.000 Fällen. Die Quote liegt damit knapp unter dem europäischen Durchschnitt (1,8). Das RKI geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, weil bei vielen Lungenentzündungen nicht die Ursache ermittelt wurde. Da die Symptome bei einer Infektion ohne Lungenentzündung denen einer Grippe ähneln, wird das sogenannte Pontiac-Fieber noch seltener diagnostiziert. Das Institut vermutet deshalb eine sehr viel höhere Anzahl von Legionellen-Infektionen mit etwa 36 Fällen pro 100.000 Einwohnern.
Andere Experten vermuten jährliche Krankheitszahlen von bis zu 30.000 Fällen, was durch die äußerst hohe Letalität von circa 10 % besonders schwerwiegend ist. Hinzu kommt, dass es sich bei Legionellen zwar um Bakterien handelt, diese aber nicht mit Antibiotika bekämpft werden können. Das liegt an der Neigung der Legionellen, sich in den Zellen festzusetzen, wo sie für Antibiotika unerreicht bleiben. Die Risikogruppen für eine Infektion mit Legionellen und schwere Verläufe sind Raucher, ältere Menschen, Patienten mit Niereninsuffizienz, Säuglinge, chronisch Erkrankte sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Wie kann man sich mit Legionellen infizieren?

Eine Übertragung findet durch den Kontakt mit zerstäubtem oder benebeltem Wasser statt, weil die Schädlinge auf diesem Weg in die Lunge einsickern können. Die Hauptgefahr von Legionellen geht dadurch vom Duschen aus, wo die Infektion über den Wasserdampf stattfindet. Aber auch in Zahnarztpraxen herrscht eine gewisse Gefährdung vor, denn hier kommen Patienten durch das Spülwasser in Kontakt mit zerstäubtem Wasser. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist hingegen unmöglich.

Wie kann man einem Infektionsrisiko vorbeugen?

Auch wenn Maßnahmen zum Energiesparen grundsätzlich lobenswert und in Zeiten explodierender Strompreise auch im eigenen Interesse sind, wirken sich gesenkte Temperaturen für die Warmwasseraufbereitung eher kontraproduktiv aus, weil diese Legionellen anziehen, die erst ab einer Hitze von 60 °C sicher abgetötet werden. Da sich bei dieser Hitze leicht Kalk ausfällen kann, empfiehlt sich beim Hochstellen des Temperaturreglers der zusätzliche Einsatz einer Enthärtungsanlage auf Grundlage des Ionentauschs.

Der Vorliebe von Legionellen für stehende Gewässer kann dadurch entgegengewirkt werden, dass die Leitungen bei einer längeren Nichtbenutzung zunächst für einige Minuten laufen gelassen werden. Erst wenn sich das Kaltwasser spürbar abgekühlt oder das Warmwasser spürbar erwärmt hat, kann man sicher sein, dass das Stagnationswasser durch den Hahn geflossen ist und dem Frischwasser Platz gemacht hat. Bei der Dusche empfehlen Experten sogar den mehrminütigen Durchlauf von heißem Wasser bei einer längeren Nichtbenutzung, auch wenn dieses Verhalten in den heutigen Zeiten Bauchschmerzen verursachen kann.

Angezogen werden Legionellen außerdem durch übergroße Warmwasserspeicher. Vermieter wählen oft diese Reservoire, um einer Knappheit an Warmwasser vorzubeugen. Sie übersehen dabei allerdings die Gefahr durch verstärkte Legionellenbildung. Hier wären kleinere, am tatsächlichen Bedarf orientierte Warmwasserspeicher eine wirkungsvolle Vorbeugung gegen Legionellen.

Vermeiden lassen sich größere Ansammlungen dieser Bakterien auch durch regelmäßig gesäuberte und entkalkte Leitungen, Mischdüsen und Armaturen. Im Fachhandel gibt es schließlich für die Dusche Legionellenfilter. Kunden, die auf diese speziellen Duschköpfe setzen, schließen jedes Restrisiko wirkungsvoll aus.

Die Tipps und Hinweise im Detail:

  • Regler für Warmwasser auf über 60 °C stellen
  • Reinigen und Entkalken von Leitungen, Armaturen und Mischdüsen
  • Durchlauf des Wasserhahns bei langem Nichtgebrauch
  • Einsatz eines Legionellenfilters
  • keine übergroßen Warmwasserspeicher

Grafische Darstellung der Bereiche im Körper, die Symptome bei einer Legionelleninfektion zeigen

Symptome einer Legionellen-Infektion

Typische Symptome einer Infektion mit Legionellen sind die folgenden:

  • Kopfschmerzen
  • trockener Husten
  • Kurzatmigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Müdigkeit/Abgeschlagenheit
  • Appetitverlust
  • Fieber
  • Bewegungsstörungen
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit
  • Durchfall und Erbrechen

Welche Krankheiten verursachen Legionellen?

Bei einer Legionellen-Infektion kommt es bei einem eher milden Verlauf zum Pontiac-Fieber und bei einem schweren Verlauf zur Legionärskrankheit (Legionellose). Die Legionärskrankheit verdankt ihren Namen einem dokumentierten Massenausbruch von US-Kriegsveteranen bei einem Treffen in Philadelphia 1976.
Das Pontiac-Fieber führt zu Symptomen, die leicht mit einer Grippe verwechselt werden können. Bei einem geschwächten Organismus und verringerten Wohlbefinden treten häufig Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen auf. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den Symptomen einer Influenza und dem Pontiac-Fieber ist der unangenehme trockene Husten.
Das Pontiac-Fieber ist anders als die Legionellose nicht lebensbedrohlich und sollte auch unbehandelt nach einigen Tagen abklingen. Dennoch ist bei einem Verdacht ein Arzt zu konsultieren, da das Pontiac-Fieber in eine lebensbedrohliche Legionellose übergehen kann.

Legionärskrankheit ist besonders gefährlich

Artet das Pontiac-Fieber in die Legionärskrankheit aus, besteht durch die assoziierte Pneumonie (Lungenentzündung) akute Lebensgefahr. Dies gilt besonders für Risikogruppen. Zugleich verstärkt sich der trockene Husten in einen Reizhusten, das Fieber steigt gefährlich an und dem Patienten machen Schüttelfrost und Atemnot schwer zu schaffen, zumal auch die Schmerzen im Bereich von Kopf, Brust, Gliedern und Thorax (Brustkorb) an Intensität zunehmen.
Außerdem kann es zur Desorientierung und Verwirrtheit kommen. Eine Behandlung ist augenblicklich angezeigt und die Legionellose ist meldepflichtig. Die Mortalitätsrate dieser gefährlichen Erkrankung ist mit 15% sehr hoch und steigt auf etwa 50% an, wenn es zu einer Einweisung in ein Krankenhaus kommt.

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