Museum in Frankfurt: Struwwelpeter-Museum

Das Struwwelpeter-Museum in Frankfurt

Das Frankfurter Struwwelpeter-Museum in einer liebevoll renovierten Gründerzeitvilla (Baujahr 1890) im Stadtteil Westend ist ein 2007 entstandenes Konglomerat aus den Beständen der beiden vorhergehenden Museen, dem ehemaligen 1977 eröffneten Struwwelpeter-Museum und dem Heinrich-Hoffmann-Museum. 

Diese gebündelte Widmung im Gebäude des einstigen Heinrich-Hoffmann-Museums macht natürlich Sinn, denn der bedeutende Frankfurter Psychiater, Lyriker und Kinderbuchverfasser Dr. Heinrich Hoffmann (1809; † 1894) war der Autor, aus dessen Feder das weltbekannte Kinderbuch „Struwwelpeter“ über den bösen „Schlingel, der sich die Welt erobert hat“ – so beschrieb Hoffmann die Hauptfigur seines erfolgreichsten Werkes selbst – stammt. 

Die Angebote des Museums richten sich an Jung und Alt gleichermaßen. Kinder dürfen beispielsweise mit Hilfe von einem Struwwelpeter-Quiz, Spiele und Spielgeräte aus jener Zeit, Paulinchen- oder Struwwelpeter-Kostüme und Masken zum Ausprobieren, Workshops und anderen Angeboten in die Welt des Charakters „Struwwelpeter“ eintauchen. Spiel und Spaß kommen hierbei im eigens eingerichteten Spielzimmer sicher nicht zu kurz. 

Erwachsene können indes anhand von den auf 250 m² über vier Stockwerke ausgestellten Büchern, Manuskripten, Bildern, Skizzen und Briefen – von denen manche einen Teil des Nachlasses Hoffmanns ausmachen – das Leben und Werk des Autors, einer schillernden Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts, ergründen. 

Die Geschichte des Struwwelpeters entstand im Jahr 1844 und war ursprünglich als ein Weihnachtsgeschenk für seinen ältesten, damals dreijährigen Sohn Carl Philipp (1841; †  1868) gedacht. Die beigefügten Federzeichnungen dazu hatte er aus eigener Hand hergestellt. Doch es kam alles ganz anders: Der Struwwelpeter markierte den Anfang von Hoffmanns „zweiter Karriere“ als Schriftsteller. Zunächst wurde die Geschichtensammlung 1845 unter dem Namen „Lustige Geschichten und drollige Bilder für Kinder von 3–6 Jahren“ in der Literarischen Anstalt Rütten, Frankfurt, mit 3.000 Exemplaren veröffentlicht, mit der vierten Auflage im Jahre 1847 dann aber in „Struwwelpeter“ umbenannt. Doch auch die anderen Geschichten, die das Buch bereithält, haben sich im Laufe der letzten Jahrhunderte als Klassiker der deutschen Kinderlektüre mit dem gewissen Schuss an Skurrilität etabliert. Etwa die Geschichten vom Daumenlutscher, vom Suppen-Kaspar, vom Zappel-Philipp oder vom Hans Guck-in-die-Luft. 

Heinrich Hoffmann und sein Struwwelpeter

Schöpfer des Struwwelpeters
© historisches museum frankfurt

Die Faszination der Person Heinrich Hoffmann liegt in ihrer Vielfalt an Facetten. Er war nicht nur ein renommierter praktischer Arzt und Reformer der Psychiatrie, der ab 1851 die Frankfurter „Anstalt für Irre und Epileptische“ leitete und eine psychiatrische Modellklinik in Frankfurt bauen ließ, sondern engagierte sich auch als liberaler Demokrat in zahlreichen bürgerlichen Vereinen und repräsentierte im Vorparlament der Paulskirche (im Zuge der Revolution von 1848) die Stadt Frankfurt. Er war also in verschiedenen Bereichen äußerst erfolgreich umtriebig. 

Er hatte noch mehr auf Lager als „nur“ Kinderliteratur. Auch in der „ernsten“ Literatur liebte er die Abwechselung und nahm sich alle Freiheiten, mit den festen Vorstellungen der damaligen Zeit zu spielen. Unter solch einfallsreichen Pseudonymen wie Heulalius von Heulenburg, Reimerich Kinderlieb, Peter Struwwel oder Polycarpus Gastfenger verfasste er auch romantische Gedichte, zeitkritische Komödien und schwarze Satiren für Erwachsene. All diese Facetten Hoffmanns werden in der Ausstellung im Struwwelpeter-Museum gebührend und ausführlich beleuchtet.

Weltweiter Erfolg des Struwwelpeters
Es ist wahrlich erstaunlich, wie das Buch „Struwwelpeter“ es schaffte, in 35 Sprachkulturen einzudringen. Davon zeugen zum Beispiel die zur Schau gestellten afrikanischen, chinesischen und rätoromanischen Übersetzungen des Klassikers. Dabei eckt die dem Werk innewohnende Pflege von rigiden und autoritären Erziehungsmethoden bei vielen Lesern gehörig an und hat bei den kleinen Lesern bestimmt schon so manchen nächtlichen Albtraum erzeugt. Mit der Beschreibung eines Jungen, der von nichts und niemandem Befehle empfangen will, hat Hoffmann in seinen so beliebten wie auch umstrittenen Bildergeschichten scheinbar ein Thema gefunden, das etwas Universelles in den Menschen anspricht und somit stets modern bleibt. Gerade deswegen wurde der Struwwelpeter unzählige Male parodiert und karikiert. Auch derartige Exemplare sind in der Ausstellung zu sehen. 

Programm des Struwwelpeter-Museums

Es ist ein großes Anliegen des Struwwelpeter-Museums, (nicht nur) den kleinen Besuchern zu ermöglichen, aktiv an Struwwelpeters Welt teilzuhaben. Dementsprechend ist auch das Angebot an Führungen ausgerichtet. In den 60- bis 90-minütigen Mitmachprogrammen werden Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter spielerisch und altersgerecht an die Ausstellung, das Buch und seine Themen wie etwa Aggressionen, Essenskonflikte, Widerstand gegen Autoritäten oder Tagträumereien herangeführt. Führungen, die sich hingegen an Jugendliche der Sekundarstufen und Erwachsene richten, dauern mindestens eine Stunde und setzen den Themenschwerpunkt in Hoffmanns Wirken gemäß der Wünsche der Besucher auf Pädagogik, Psychologie oder Politik. 

Auf Wunsch werden auch Geburtstage für 5- bis 10-jährige Kinder und ihre Gäste durchgeführt. Über Geburtstagskuchen und Getränke hinaus erobern die Kinder das Museum, indem sie wahlweise Szenen des Buches durchspielen, den Schatz des „Fliegenden Robert“ suchen oder gar als Detektiv die Diebe des gestohlenen Struwwelpeter-Manuskripts ermitteln. 


Auf der Webseite des Museums finden Sie hierzu und zu Sonderveranstaltungen als auch Sonderausstellungen hilfreiche Hinweise: https://www.struwwelpeter-museum.de/ 

Der heutige Museumsträger – die 1967 gegründete Frankfurter Werkgemeinschaft e.V. – ist  ein Sozialwerk für psychisch erkrankte Menschen und setzt den reformpsychiatrischen Ansatz Hoffmanns mit modernen Mitteln fort. So unterhält der Verein im Museumsgebäude eine Werkstatt für psychisch Kranke und bietet Reha-Arbeitsplätze an.


Das Struwwelpeter-Museum verfügt über einen Shop, in dem allerhand Kuriositäten angeboten werden. Unter all den Struwwelpeterartikeln sollte sich leicht ein passendes Souvenir für Sie finden lassen.

Sehenswertes in der Nähe

  • Nicht weit entfernt vom Museum ist die Festhalle gelegen
  • In der Alten Oper finden das ganze Jahr über attraktive Veranstaltungen statt, von Rock über Pop bis hin zur traditionellen Oper
  • Im I.G.-Farben-Haus ist heute ein Teil der Universität untergebracht
  • Der Botanische Garten lädt zum Spaziergang im Grünen ein
  • Hier herrscht fast das ganze Jahr über geschäftiges Treiben: Messe & Messeturm

Weitere Museen im Rhein-Main-Gebiet

  • Das Gutenberg-Museum in Mainz widmet sich der Druckkunst
  • Im Museum für Antike Schifffahrt werden Kriegsschiffe aus der Römerzeit ausgestellt
  • In Darmstadt ist das Museum Schloss Kranichstein sehenswert
  • Im Jüdischen Museum Worms gibt es viele Dinge über Lebensweise, Kultur und Bedeutung des Judentums für Worms zu erfahren
  • Das Klingspor-Museum befindet sich in Frankfurts Nachbarstadt Offenbach
Lageplan des Museums

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Lage und Erreichbarkeit des Museums

Der Standort des Museums ist die Schubertstraße 20. Diese verläuft parallel zu der Bockenheimer Landstraße zwischen den beiden U-Bahnhaltestellen "Bockenheimer Warte" (U4, U6) und "Westend" (U6) und kann von beiden Stationen aus leicht zu Fuß erreicht werden. 

Parkmöglichkeiten für Besucher mit PKW sind im Hinterhof des Museums vorhanden. 
Mit dem Besuch des Struwwelpeter-Museums lässt sich auch hervorragend ein Abstecher zum Palmengarten und / oder Senckenbergmuseum verbinden, die sich ganz in der Nähe befinden.